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Bahnhof Übelbach im Jahre 1920 mit dem Triebwagen Tee1
Der Schweizer Triebwagen ET14 im winterlichen Bahnhof Übelbach
Die künftige Schnellbahngarnitur auf Probefahrt beim Jubiläumsfest

90 Jahre Übelbacher Bahn
1919 - 2009

Bei herrlichem Spätsommerwetter feierte die Landesbahn Peggau-Übelbach am 5. September 2009 ihren 90. Geburtstag. Zahlreiche Ehrengäste und viele Bewohner des Übelbachtales nahmen an dieser Veranstaltung teil. "Star" dieser Feier war ein Elektro-Gelenktriebwagen des Schweizer Bahnbetreibers Thurbo, der ähnlich jenen drei Triebwagen ist, wie sie die Übelbacherbahn im nächsten Jahr bekommen wird. Das Fahrzeug wurde extra für die Feier aus der Schweiz in die Steiermark überstellt.
Gemeinsam mit den Bürgermeistern des Übelbachtales (Ing. Markus Windisch, Ing. Hubert Platzer, Helmut Salomon) freute sich Verkehrslandesrätin Mag. Kristina Edlinger-Ploder über das neue Fahrgefühl. Stadler-Rail-Verkaufsleiter Peter Jenelten konnte den zahlreichen Besuchern, die auch die Pendelfahrten am Nachmittag nutzten, das Fahrzeug vorstellen. Landesbahngeschäftsführer Dr. Helmut Wittmann konnte schließlich über die Modernisierungen im Infrastrukturbereich, die derzeit auf dieser Strecke vorgenommen werden, berichten.

Landerätin Mag. Kristina Edlinger-Ploder
Landesbahn-Geschäftsführer Dr. Helmut Wittmann

Ein Blick zurück

Bahnhof Übelbach im Jahre 1920 mit dem Triebwagen Tee1

In den 1890er Jahren wurde von der Region Übelbach der Wunsch nach Errichtung einer Eisenbahnstrecke laut. Anlass war der starke Güterverkehr der in Guggenbach ansässigen Papierfabrik. Es sollte allerdings bis zum 3. September 1919 dauern, bis der öffentliche Personen- und Güterverkehr aufgenommen werden konnte.
Aufgrund der schwierigen Zeiten wurde die Bahn ursprünglich sehr spartanisch ausgestattet, sodass bereits Ende der 1920er Jahre umfangreiche Erneuerungen vorgenommen werden mussten.
Im Zuge der Elektrifizierung der Strecke Bruck an der Mur - Graz ergab sich 1968 die Gelegenheit, die ursprünglich mit Gleichstrom betriebene Bahnlinie an das 15-kV-Wechselstromnetz der ÖBB anzuschließen. In diesem Zusammenhang mussten auch die beiden Gleichstromtriebwagen durch gebrauchte Fahrzeuge der ÖBB sowie der schweizerischen Südostbahn ersetzt werden.

Der Schweizer Triebwagen ET14 im winterlichen Bahnhof Übelbach

1972 stellte die Papierfabrik Guggenbach ihren Betrieb ein. Das bedeutete für die Bahnstrecke den Verlust ihres Hauptkunden. Da auch die Frequenzen im Personenverkehr zurückgingen, drohte Ende der 1980er Jahre die Einstellung des Eisenbahnbetriebes. Durch eine Bürgerinitiative konnte nicht nur die Auflassung abgewendet, sondern eine Attraktivierung erreicht werden.
Neue bedarfsorientierte Haltestellen wurden errichtet, das Zugangebot von fünf auf zehn Zugpaare erhöht.

Mitte der neunziger Jahre wurde der Fahrzeugpark durch zwei Triebwagen der Sihltal - Zürich - UetlibergBahn (SZU) modernisiert. Diese Fahrzeuge (ET14 und ET15) befinden sich noch heute im Einsatz.

Die neue Übelbacherbahn

Triebwagen der Reihe 4023 "Talent"
Die künftige Schnellbahngarnitur auf Probefahrt beim Jubiläumsfest

Mit 10. September 2007 nahm die S-Bahn im Großraum Graz ihren Betrieb auf. Die Übelbacherbahn wurde in das S-Bahnsystem als S11 eingebunden. Erstmals in der Geschichte konnte ein Direktverkehr von Übelbach nach Graz eingerichtet werden. Um den Fahrgästen einen zeitgemäßen Fahrkomfort zu bieten, wird seither ein Großteil der werktäglich 30 Züge mit einem Triebwagen der Reihe 4023 ("Talent") geführt.
Da dieses Fahrzeug Ende 2010 an die ÖBB zurückgestellt werden muss, haben die Steiermärkischen Landesbahnen nach einer EU-weiten Ausschreibung drei elektrische Triebwagen der Reihe GTW 2/6 beim Schweizer Hersteller Stadler Rail geordert. Diese Fahrzeuge sind derzeit in Bau und sollen bis Ende 2010 ausgeliefert werden. Anlässlich der 90-Jahr-Feier haben die Steiermärkischen Landesbahnen gemeinsam mit Stadler Rail einen vergleichbaren GTW der schweizerischen Regionalbahn Thurbo AG  nach Übelbach überstellt.
Parallel zur Fahrzeugbeschaffung sind die Steiermärkischen Landesbahnen dabei, auch die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine weitere Verdichtung und Komfortsteigerung zu schaffen. In drei Jahresetappen (2008-2010) wird die Murbrücke zwischen Peggau und Deutschfeistritz saniert. Noch heuer werden in der Verkehrsstelle Waldstein Rückfallweichen eingebaut, sodass Zugskreuzungen rasch abgewickelt werden können. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden in den nächsten Jahren weitere Eisenbahnkreuzungen mit Lichtzeichenanlagen ausgerüstet.
Ziel ist es, den Fahrplan zu verdichten (Stundentakt sowie halbstündlich zu den Hauptverkehrszeiten), die Geschwindigkeit zu erhöhen, und mit neuen Fahrzeugen einen bequemen Fahrkomfort den Reisenden zu bieten. Gerade rechtzeitig zum 90-Jahr-Jubiläum hat der Steirische Verkehrsverbund eine weitere Freizeitbroschüre aufgelegt, die sich unter dem Titel "Aus dem Murtal zur Gleinalpe" dem Übelbachtal widmet. Damit soll auch die Basis für eine Belebung des touristischen Verkehrs geschaffen werden. Die Entstehung der Eisenbahnlinie ist im "Buch der Übelbacherbahn" ausführlich nachzulesen.

Sondermarke zum Bahnjubiläum

Briefmarke 90 Jahre Lokalbahn Peggau - Übelbach

Aus Anlass des 90-Jahr-Jubiläums der Eisenbahnstrecke Peggau - Übelbach wurden zwei Briefmarken zu je 55 Cent aufgelegt. Dazu gestaltete der agile Briefmarkentauschverein Peggau-Deutschfeistritz-Übelbach in der Remise auf dem Bahnhof Übelbach eine Briefmarkenwerbeschau und Ausstellung mit historischen Post- und Bahndokumenten sowie sehenswerten Fotos über die drei Gemeinden und die Eisenbahngeschichte des Übelbachtales.

TV-Beitrag von Steiermark 1

Wer glaubt, mit 90 Jahren wäre man alt, der irrt. Anlässlich ihrer Jubiläumsfeier hat die Landesbahn Peggau-Übelbach die Zukunft vorweggenommen.

Ein Blick in die Geschichte der Eisenbahn von Steiermark 1.
Redaktion: Michael Weinmann
Kamera: Rafael Starman
Schnitt: Martin Steffens

http://www.steiermark1.at/default.asp?SSid=51&arid=4495