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Luftbild Übelbach
Gemeindewappen
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DIE GESCHICHTE VON ÜBELBACH
von VR. Dr. Erich Vaculik

Übelbach ist ein Marktflecken in einem Seitental der Mur, am Fuß der Gleinalm. Seinen Namen hat der Ort sicherlich vom gleich benannten Bach, welcher immer wieder große Hochwasserschäden hervor rief.

Besiedlung: Gewisse Anzeichen lassen vermuten, daß das Tal schon zur Keltenzeit spärlich besiedelt war. Sicherlich gab es aber eine Bewohnerschaft der Alpenslaven, wie verschiedene Riednamen und eine Urkunde beweisen. Die älteste Urkunde, das sogenannte "Babenberger Urbar" berichtet in der ersten Hälfte des 13.Jahrhunderts von einem Bauerndorf "Ubilpach". Damals gab es schon deutsche Bauernhöfe welche auf den Berghängen durch Waldrodungen entstanden waren.

Der Markt Übelbach wurde noch im selben Jahrhundert erbaut, als im Tal Silbervorkommen entdeckt und für den Bergbau erschlossen wurden. Auch das Marktwappen weist darauf hin: Es zeigt einen Silberwürfel über einem Bach.

Aus der Bergknappenzeit dürfte auch die Marktkapelle St. Michael stammen, während die Pfarrkirche wahrscheinlich älteren Ursprungs ist. Seit dieser Zeit wurde der Markt von einem selbst gewählten Marktrichter und einem Magistrat verwaltet.

Um die Mitte unseres Jahrtausends wurde der Silberbergbau eingestellt, und die Landesfürsten verkauften den Markt an die Herrschaft Waldstein, welche Besitzer des restlichen Tales war.

Bergbau auf andere Erze, wie Zink und Blei, wurde auch späterhin noch betrieben und erst vor etwa 60 Jahren ganz still gelegt.

Um den Markt wurde es nun still. Die Bewohner waren meist Kleingewerbetreibende, welch die umliegenden Bauern versorgten, oder führten kleine Weberei-Betriebe.

Erst im 18.Jahrhundert entwickelte sich in Übelbach wieder ein gewisser Wohlstand durch die Tätigkeit der Hammerschmieden. Diese fanden hier einen günstigen Standort durch die Nutzung der Wasserkraft des Baches und der Holzkohle aus der holzreichen Umgebung. Das Eisen mußte aus der Obersteiermark geholt werden. Flößer brachten es auf der Mur bis zur Mündung des Übelbaches, dann wurde es mit Fuhrwerken ins Tal gekarrt.

Drei große Werke erzeugten Sensen, welche bis nach Rußland und Amerika verkauft wurden. Daneben gab es auch Werkstätten, welche Nägel fabrizierten. Auch ein Brauhaus wurde betrieben, denn die Schmiede waren stets durstig. Die stattlichen Wohnhäuser der Unternehmer, welche man "Gewerken" nannte, kann man heute noch in Übelbach bewundern.

Mit dem Bau der Eisenbahn im Murtal und mit der Entstehung großer Fabriken ging auch die Zeit der Sensengewerken zu Ende.

Zu Beginn unseres Jahrhunderts hatten alle schon wieder ihren Betrieb eingestellt. Es war aber inzwischen im Nachbarort Guggenbach ein Industriebetrieb entstanden.

Eine Papierfabrik nützte die reichen Holzreserven des Tales und war bald mit etwa 250 Arbeitsplätzen der Brotgeber der meisten Familien in der Gemeinde.

Da auch dieser Betrieb immer mehr Rohstoffe von außen her benötigte, wurde eine Bahnlinie gebaut, welche Übelbach mit der Station Peggau der Südbahn verband.

Seit dem Jahr 1919 verkehren täglich mehrere Züge in beiden Richtungen. Auch der elektrische Strom hielt im Jahr 1912 im Tal Einzug. Er wurde vom damals neu errichteten Murkraftwerk bei Deutschfeistritz geliefert.

Als nach dem Krieg einzelne Papierfabriken sich immer größer und moderner entwickelten, konnten bald kleinere Werke den Konkurrenzkampf nicht mehr bestehen. Auch die Guggenbacher Fabrik hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und mußte schließlich im Jahr 1972 ihren Betrieb einstellen.

Zum Glück fand sich noch im selben Jahr ein Ersatzbetrieb, so daß keine größere Arbeitslosigkeit entstand: Die Firma DI Gaulhofer begann im großen Umfang Türen und Fenster zu produzieren. Heute beschäftigt das Werk mehr Arbeitnehmer als zuvor die Papierfabrik.

Zur Zeit der wirtschaftlichen Umstellung wurde auch mit dem Bau der Pyhrn-Autobahn begonnen. Diese Straße brachte zwar etwas mehr Unruhe ins Tal, aber auch eine gute Verkehrserschließung.

Die Einwohnerzahl beträgt heute über ca. 2300 Personen. Die Gemeinde unterhält einen Kindergarten und zwei Volksschulen.

Im Markt steht auch das "Ausbildungszentrum Süd" der Bauwirtschaft, und es besteht auch ein reges Vereinsleben.

Erwähnenswert ist noch, daß die Pest zweimal in Übelbach ausbrach (1680 und 1714) und damals viele Todesopfer forderte. Daß auch immer wieder Hochwasser den Ort und seine Umgebung heimsuchten, haben wir schon erzählt.

Im Jahr 1844 wurden 28 Wohnhäuser bei einem Großbrand eingeäschert und noch im selben Jahr wieder aufgebaut.